Ihr sät viel und bringt wenig ein;
ihr esst und werdet doch nicht satt;
ihr trinkt und bleibt doch durstig;
ihr kleidet euch, und keinem wird warm;
und wer Geld verdient, der legt's in einen löchrigen Beutel.
Haggai 1,6

 Kommt uns das nicht (manchmal) bekannt vor? - Wir machen und tun, wir bringen uns ein und investieren Zeit und Geld, haben viele Ideen und versuchen Viele zu motivieren, besuchen viele Veranstaltungen, haben einen vollgestopften Terminkalender … und dann kommt wenig dabei ‚rum, wir fühlen uns (trotzdem) leer, kraftlos, entmutigt, es geht mehr (Kraft, Geld, Beziehungen) weg als dazukommt.

Interessant ist, dass es sowohl im Vers davor als im Vers danach heißt es „Achtet doch darauf, wie es euch geht“ - Überlegt doch einmal, wie es euch geht! Besinnt euch auf eure Wege!
Wie ging es den Menschen, zu denen der Prophet Haggai sprach? In welche Situation hinein richtete er sich an sie?
Gut 50 Jahre verbringt das Volk Israel im Exil in Babylon, in der Fremde. Dann aber erlaubt der persische König Kyrus ihnen, in ihr Land zurückzukehren. Sie kommen in eine völlig zerstörte Stadt - der Tempel zerstört, die Mauern abgerissen, die Häuser in Trümmern. Doch statt zuerst die Wasserversorgung zu sichern, Quartiere zu errichten, für eine Suppenküche zu sorgen, Wachen aufzustellen – also alles tu tun, was einem möglichst schnellem und effektivem Wiederaufbau dient – erstellen sie als erstes einen Altar für Gott und legen die Fundamente für einen neuen Tempel. Gott zuerst! Doch dann, so heißt es im Buch Esra, gab es mit der Zeit immer mehr und immer größeren Widerstand gegen den neuen Tempel. Kein Wunder, dass der Widerstand mit der Zeit selbst die Aktivsten entmutigte und zermürbte. Es kam dazu, dass es einen Baustopp gab – einen langen Baustopp, 16 Jahre lang.
Und in diese Situation hinein fordert Haggai auf innezuhalten und über das eigene Leben, über Wege und Prioritäten nachzudenken: „Achtet doch darauf, wie es euch geh! Besinnt euch auf eure Wege! Ihr habt viel gesät, aber wenig eingebracht; ihr esst, aber es gibt keine Sättigung; ihr trinkt, aber es gibt keinen gelöschten Durst.“

Der Prophet spricht eine Gemeinde an, die durch Widerstände, Rückschläge, Stillstand und durch interne Konflikte müde und mürbe geworden ist und bei der Gott immer mehr aus dem Blickfeld geraten ist. Das ist nicht von einem Tag auf den anderen geschehen sondern schleichend – die Begeisterung schwindet, die Menschen richten sich ein in ihrem Leben ein, das Private übernimmt die Regie. Schließlich gab es ja auch – zurück in der Heimat der Vorfahren - viel zu tun: Häuser bauen, die Infrastruktur einer Stadt wieder aufbauen, Karrieren planen, Ämter besetzen, Kranke versorgen... Ja, das gehört auch zum Leben; nur verschieben sich dabei beizeiten Schwerpunkte, Gott hat immer weniger Raum im Alltag.

Es geht darum Gott und seiner Vision für mein Leben, seinen Wegen (wieder) mehr Raum zu geben – Raum zu schaffen für für Gott und Wirken.
Lassen wir uns von Haggai neu ermutigen und motivieren an Gottes „Haus“ zu bauen und Gott Raum zu geben!

Mona Kuntze