Jesus antwortete: Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.
Lukas 19,40

Während ich diese Andacht schreibe, gehen Menschen in Myanmar auf die Straße und fordern ein Ende der Militärjunta. In Belarus halten die Proteste gegen den illegitimen Machthaber weiter an. Und selbst in Russland demonstrieren Menschen für die Freilassung des Kreml-Kritikers Nawalny.
Nein, es sind nicht die Steine die hier schreien, es sind Menschen, die für Gerechtigkeit, Frieden und Demokratie ihre Stimme erheben. Diese Menschen leben gefährlich. Sie können niedergeknüppelt werden, eingesperrt werden, gefoltert werden, ja, sie können sogar gewaltsam ihr Leben verlieren. Doch ihre Überzeugung und die jahrzehntelange Unterdrückung schenken ihnen Mut für ihr Handeln.


So ähnlich haben wohl auch die Anhänger Jesu gedacht: "Genug von der römischen Besatzungsmacht. Genug von der rechthaberischen religiösen Elite in Jerusalem. Wir haben hier einen neuen König, einen Friedefürst. Der reitet auf einem Esel in die Hauptstadt, ein sicheres Zeichen, dass er gute Absichten hat." Und so riefen sie: "Heil dem König, der im Auftrag des Herrn kommt! Gott hat Frieden bereitet im Himmel! Ihm in der Höhe gehört alle Ehre!" (Lk 19,38 GNB)
Das war gefährlich, wie heute. Die geistliche Führungsschicht in Jerusalem konnte diesen Ruf als Gotteslästerung verstehen. Darauf stand die Todesstrafe. Und natürlich beanspruchte Jesus damit ihre Machtposition. Auch die politischen Führer, die römische Besatzungsmacht, konnte solchen Aufruhr schnell als Rebellion verstehen. Die würde natürlich blutig niedergeschlagen werden, wenn man sie als ernstzunehmende Bedrohung empfand. Es war also nicht ohne, was die Anhänger Jesu auf dem Weg vom Ölberg nach Jerusalem sangen.
So war Die Forderung der Pharisäer durchaus angebracht. Sie sagten zu Jesus: "Lehrer, bring doch deine Jünger zur Vernunft!" (Lk 19,39b GNB) "Solches zu singen, ist gefährlich für deine Anhänger, ja für dich selber. Du sorgst dich doch um deine Nachfolger."
Jesu Antwort darauf ist der Monatsspruch für den März. Um ihn zu verstehen brauchen wir den Zusammenhang: Jesus zieht in Jerusalem ein, der Beginn der Passion, seines Leidensweges.
Was für ein Wort! Was in diesem Moment geschieht, muss ausgerufen werden. Und wenn es nicht Menschen tun, dann wird es die unbelebte Natur übernehmen. Tote Steine werden schreien, werden ausrufen, dass hier der König kommt, der im Auftrag Gottes Frieden schaffen wird.
Damals war es nicht nötig, dass die Steine schrien, die Menschen wurden nicht zum Schweigen gebracht. Und sangen weiter ihre Hoffnung heraus auf ein baldiges neues Leben in Freiheit und Wohlstand.
Doch es kam ja so anders! Der neue König wurde nicht eingesetzt. Passion statt Machtwechsel. Kreuz statt Thron. Blut statt Brot. Tod statt neuem Leben. Oberflächlich betrachtet wurden die Erwartungen und Hoffnungen der Menschen damals enttäuscht.
Doch wir wissen, dass hier der größte Machtwechsel aller Zeiten stattgefunden hat. Ein Machtwechsel der Liebe: Gnade und Vergebung anstelle von Gericht und Strafe. Nicht Gewalt, sondern Sanftheit; Liebe und nicht brutale Herrschaft. Das war die allergrößte Tat Gottes seit der Schöpfung. Und als das begann, da musste das gesagt werden, verkündet werden! Und wenn es die Menschen nicht getan hätten, die Steine hätten es geschrien!
Wir verbinden mit diesem weltverändernden Geschehen immer die Qualen am Kreuz und das grauenvolle Sterben unseres Herren. Dieser Machtwechsel wurde mit dem Tod des Gottessohnes erkauft.
Vielleicht liegt es daran, dass wir Christen nicht dazu neigen, allzu euphorisch zu sein. Der Grund unseres Glaubens liegt in der Passion unseres Herrn Jesus Christus. Unsere Hoffnung ruht auf dem qualvollen Sterben des Gottessohnes.
Und doch ist unsere Aufgabe heute die gleiche wie damals. Die Anhänger Jesu kündigten den neuen König an. Wir dürfen Jesus als Gottes Sohn und Retter der Welt verkünden. Wir dürfen den Menschen heute von unserem Glück erzählen, geliebte Wesen des einen Gottes zu sein. In einer Beziehung mit ihm zu leben... Das ist unser Auftrag, das E von Edga.
Doch es gibt einen großen Unterschied zu damals. Es ist heute ungefährlich, von diesem König der Liebe zu erzählen. Im schlimmsten Fall hält man uns für Spinner, man lacht uns aus, oder man wendet sich von uns ab.
Mich bewegt es immer wieder, wenn ich die Bilder aus Myanmar, Belarus oder Russland sehe. Auch wir haben eine Wahrheit zu verkünden. Trotz oder gerade wegen der Corona-Krise. Auch wir stehen für Frieden, Liebe, Gnade und Vergebung von Gott unserem Herrn. Worauf warten wir noch? Denn Steine werden heute nicht mehr schreien.

Heddo Knieper

Vernetzt im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) in Deutschland K.d.ö.R.

Wir sind Mitglied im Bund Evangelisch Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland K.d.ö.R. und im Bund freier evangelischer Gemeinden in Deutschland K.d.ö.R.



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